Stipendien:
IKAROS-Stipendium
für den Zweiten Bildungsweg

Der Zweite Bildungsweg als zweite Chance

Für junge Menschen bedeutet ein fehlender Schulabschluss zumeist, dass sie keinen Ausbildungsplatz finden, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten müssen oder arbeitslos sind.

Das IKAROS-Stipendium steht für die zweite Chance im Leben. Es soll jungen Menschen helfen, einen Schulabschluss nachzuholen. Dies lohnt sich nicht nur wegen der besseren beruflichen Möglichkeiten, sondern auch, weil man durch Bildung persönlich wächst und seine eigenen Stärken kennenlernt.

Das Stipendium bietet jungen Menschen in Berlin die notwendige finanzielle Unterstützung, um sich unbelastet den Abschluss erarbeiten zu können.

Es gibt viele Gründe, warum der klassische Schulweg verlassen wurde, ein Schulabschluss auf dem ersten Bildungsweg nicht möglich war. Es gibt aber keinen Grund, den Abschluss nicht nachzuholen, um sich damit berufliche Wege zu eröffnen und unabhängig zu sein.

In unserer aktuellen Broschüre Das IKAROS-Stipendium. Die zweite Chance erklären wir ausführlich den Hintergrund des Programms und stellen einzelne Stipendiat*innen vor.

Das IKAROS-Stipendium für den Zweiten Bildungsweg

Dr. Dieter Schultze-Zeu erklärt, warum er das IKAROS-Stipendium ins Leben gerufen hat. Stipendiat*innen berichten, wie ihnen das Programm geholfen hat.

Zielgruppe und Förderkriterien

Das IKAROS-Stipendium wendet sich an junge Menschen bis 30 Jahre, die in Berlin an einer Einrichtung des Zweiten Bildungsweges ihren Abschluss nachholen. Ausschlaggebend sind die Motivation und ein nachweislicher Unterstützungsbedarf. In Ausnahmefällen fördern wir auch junge Menschen in der beruflichen Erstausbildung. Nähere Informationen dazu können telefonisch erfragt werden.

Das Stipendium ersetzt keine staatlichen Leistungen. Es wird nur dann gewährt, wenn die Bafög-Zahlungen nicht ausreichen, um einen erfolgreichen Bildungsabschluss zu erreichen. Neben der Motivation, Leistungsbereitschaft und dem festen Willen zu einem Bildungsabschluss hängt es von der nachgewiesenen Bedürftigkeit ab. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn junge Menschen eine staatlich anerkannte private Schule besuchen, die schulgeldpflichtig ist (z.B. Physiotherapie, Pflegeberufe). Oft reicht auch aufgrund der hohen Mieten in Berlin das verbleibende Einkommen nicht mehr für den Lebensunterhalt und die Konzentration auf den Bildungsabschluss. Auch Kosten, die aufgrund individueller Härten wie Behinderungen und familiäre Herausforderungen, die der Staat nicht berücksichtigt, werden in die Entscheidung über ein Stipendium aufgenommen.

Parallel zur finanziellen Förderung begleiten wir im Rahmen der personellen Ressourcen die Stipendiaten*innen auf ihrem Weg.

IKAROS-Stipendiat*innen mit Evelyn und Dr. Dieter Schultze-Zeu

70 Stipendiat*innen aus Berlin wurden bisher gefördert. In unregelmäßigen Abständen tauschen sie sich untereinander aus und lernen den Initiator des Stipendienprogramms Dr. Dieter Schultze-Zeu kennen.

Patenschaften

Alle Stipendiat*innen verfügen über spezifische Erfahrungen und Kenntnisse, die auch für andere aus dem Programm hilfreich sein können. Im Rahmen unseres Patenschaftsprogramms bilden sich Tandems, die sich regelmäßig über ihre unterschiedlichen und spezifischen Wissenskenntnisse und Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig auf dem zweiten Bildungsweg und darüber hinaus unterstützen. Das gemeinsame Ziel ist der positive Abschluss des Kollegs oder der Ausbildung. Konkret kann eine Patenschaft zum Beispiel erforderliche Nachhilfe, Bewerbungshilfen oder auch lebenspraktische Themen beinhalten.

Als Patin/Pate oder Mentee bist Du Teil unseres Patenschaftsnetzwerks und kannst an Workshops, Erfahrungsaustauschrunden und relevanten Veranstaltungen teilnehmen.

Das Patenschaftsprogramm wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Notwendigkeit und Wirkungslogik

Berlin hat mit 11,7 % bundesweit die höchste Schulabbruchquote. Für junge Menschen bedeutet das, sie finden keinen Ausbildungsplatz, halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser oder sind arbeitslos und auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Die Lebenschancen der*s Einzelnen sinken. Die sozialen Ungleichheiten wachsen und führen zu gesellschaftlichen Spannungen.

Fünf Kollegs sowie Abend- und Volkshochschulen bieten jungen Menschen die Möglichkeit, einen Bildungsabschluss nachzuholen. 3.068 Teilnehmer*innen waren im Schuljahr 2018/19 in Berlin eingeschrieben. Doch auch hier ist die Abbruchquote mit bis zu 30 % sehr hoch. Grund ist oft die prekäre finanzielle Situation: Viele müssen mit dem Schüler-BAföG in Höhe von 600 – 800 Euro pro Monat als einziger Einnahmequelle sämtliche Lebenshaltungskosten (einschließlich Miete) bestreiten.

Das IKAROS-Stipendium entlastet von finanziellen Sorgen und ermöglicht den Stipendiat*innen, sich auf einen erfolgreichen Abschluss zu konzentrieren. Wie das Programm zu mehr Chancengerechtigkeit beiträgt, zeigt die folgende Grafik.

Eine Erfolgsgeschichte

Seit Beginn des Programms wurden insgesamt 85 Stipendien gewährt. Nahezu alle Stipendiat*innen haben ihre zweite Chance mit großem Ernst wahrgenommen. Bislang haben 40 junge Erwachsene das (Fach-)Abitur geschafft, sechs den Mittleren Schulabschluss und vier den Abschluss einer schulischen oder dualen Ausbildung. Aktuell sind 30 junge Menschen im Programm.

Anne (24), eine Stipendiatin, ist zehn Jahre lang im Heim groß geworden, was sie heute als schöne Zeit in Erinnerung hat. Aber die schlimmen Erlebnisse im Elternhaus hinderten sie daran, alles in normalem Tempo zu schaffen. „Das Leben nachholen, Freunde zu haben, was erst einmal wichtiger als zu büffeln. Ich habe erst in meiner Ausbildung zur Bürokauffrau gelernt, zu lernen.“ Der Beruf was nicht der richtige. Sie fühlte sich unglücklich und beschloss, einen zweiten Anlauf zu wagen, meldete sich für die Hochschulreife an. „Ich bereite mich jetzt auf das Abi vor und möchte Lehrerin werden. Warum? Um einen positiven Einfluss auf Jugendliche zu haben, die noch nicht wissen, wie ihr Lebensweg weitergeht.“ Inzwischen hat Anne das Abitur geschafft und angefangen, zu studieren.

Stand: Juli 2019

Bilder

Bilder aus dem IKAROS-Programm zeigen wir in unserer Galerie.

Dr. Dieter Schultze-Zeu:
Der Stifter des IKAROS-Stipendiums

Bereits seit vielen Jahren engagiert sich Dr. Dieter Schultze-Zeu – früherer Bergmann, späterer Strafrichter und Rechtsanwalt und heutiger Buchautor – für das Auslandsstipendium der Kreuzberger Kinderstiftung. 2015 hat er mit IKAROS ein eigenes Stipendienprogramm ins Leben gerufen. Mit diesem Stipendium sollen junge Menschen in Berlin gefördert werden, die auf dem Zweiten Bildungsweg einen weiterführenden Schulabschluss erlangen wollen. Aus eigener Erfahrung weiß der Stifter, wie beschwerlich dieser Weg zum Abschluss ist – aber auch, dass er sich lohnt.

Daher möchte er jungen Menschen eine zweite Chance geben, sich ein eigenständiges Leben aufzubauen. Ganz wie der Held seines letzten Buches „Ikaros fliegt sich frei“. In diesem gibt Dieter Schultze-Zeu der antiken Legende gegen jugendlichen Hochmut eine Wendung und fordert dadurch junge Menschen auf, selbstbestimmt ihren Weg zu gehen. Denn in seiner Version nutzt Ikaros die Flügel nicht, um weiter seinem despotischen Vater zu folgen. Stattdessen fliegt er sich frei und kehrt zurück zu seinen Freunden in Athen, um ein freies, eigenes Leben zu führen.

Bewerbung und Kontakt

Ansprechpartnerin:

Petra Billecke
Telefon: 030 – 695 339 7-15
E-Mail: billecke@kreuzberger-kinderstiftung.de

In einem Erstgespräch klären wir die nächsten Schritte. In der Regel erwarten wir dann ein kurzes Motivationsschreiben und weitere notwendige Unterlagen an folgende Adresse:

Kreuzberger Kinderstiftung gAG
Stipendienprogramm IKAROS
Ratiborstraße 14a
10999 Berlin

Spenden

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