Stiftungstagebuch

Griechenland: Unsere Alumna Vera-Cosima (20) engagiert sich für junge Geflüchtete

11. August 2017

Vera-Cosima (20) ging im Oktober 2012 für ein Schuljahr ins Ausland. Die damalige Realschülerin besuchte mit der Unterstützung der Kreuzberger Kinderstiftung eine Highschool in Kansas (USA). In diesem Frühjahr, kurz vor ihren Abiturprüfungen, meldete sie sich bei uns. Ihr Ziel: in einem von uns geförderten Projekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Griechenland mitarbeiten.

Im Spätsommer setzte sie dieses Ziel mit einem Reisestipendium von uns auf Lesbos in die Tat um. Bei der Organisation Metadrasi, die sich dafür einsetzt, dass junge Geflüchtete nicht in staatlichen Auffanglagern („detention centres“) leben müssen, arbeitete sie vier Wochen lang in einer kindgerechten Unterkunft. Die Kreuzberger Kinderstiftung finanziert dort ein Programm, in dem Jugendliche aus Lesbos Freizeitaktivitäten mit den Geflüchteten durchführen.

Hier berichtet Vera von ihrer Zeit auf Lesbos:

„Griechenland! Toll! Die Früchte sind lecker, das Wetter ist super! Wobei..von dem guten Wetter bekomme ich eigentlich nur morgens und abends etwas mit.
Seit nun knapp drei Wochen bin ich hier in Mytilini und arbeite auf freiwilliger Basis für METAdrasi.

Was genau ist das und was mach ich da? Nun ja! Metadrasi ist eine Organisation welche, unter anderem hier auf Lesbos, ein „Kinderheim“ für Flüchtlingskinder- und Jugendliche, die ohne ihre Eltern oder Familienangehörige (Ü18) reisen, aufgebaut hat. „Kinderheim“ deshalb, weil es ursprünglich nur eine temporäre Bleibe sein sollte. Wider Erwarten entwickelte sich dieser Zwischenstopp zu einem Zuhause der Kinder und Jugendlichen. Raus aus den Flüchtlingscamps, geschützt vor sexuellem Missbrauch, Gewalt, Schmugglern, Krankheiten und Ähnlichem können sie hier unter gewissen Regeln leben.

Als Freiwillige habe ich verschiedene Aufgaben. Wenn mal ein Junge im Krankenhaus ist, sitze ich neben seinem Bett, damit er nicht völlig alleine dort sein muss. Oder ich helfe bei der Essensausgabe am Abend, wenn die Köchinnen schon weg sind. Hauptsächlich bin ich aber damit beschäftigt, die Jungs zu beschäftigen. Dies kann ich ganz einfach machen, indem ich Sprachen unterrichte:

Meine Arbeit mit den Jungs bereitet mir viel Freude. Als Deutsche bin ich für viele Jungs die Ansprechperson bzgl. Deutsch lernen. So habe ich acht Schüler, denen ich alles von grundlegenden Dingen, bis hin zu fortgeschrittenen Grammatikangelegenheiten beibringe. Nicht nur Deutsch, auch Englisch ist von großer Wichtigkeit für die Jungs – egal wohin sie gehen möchten, überall sprechen die Menschen Englisch. Wirklich viele von ihnen möchten eine andere Sprache lernen, saugen das Wissen auf wie Schwämme! Natürlich gibt es auch den ein oder anderen, dem das Lernen nicht so leicht fällt, aber da es keinen direkten Zeitplan gibt, kann ich mir Zeit nehmen – so viel sie eben brauchen. Manchmal ist es schon etwas anstrengend. Das liegt wohl daran, dass ich es nicht gewohnt bin, nun auf der anderen Seite, als Lehrerin, zu sitzen. Ich möchte aber gar nicht jammern! Für mich ist es eine absolute Bereicherung, dieses Projekt zu erleben. Zwar bin ich diejenige, die lehrt, nichtsdestotrotz bringen mir die Jungs mindestens genauso viel bei. Dinge, die absolut wertvoll sind.

Wenn ich nicht unterrichte, spielen wir Tischkicker, Vier gewinnt, Ping Pong oder andere Spiele. Manchmal kann ich die Jungs auch für Kunst begeistern! Einem habe ich sogar Schere Stein Papier erfolgreich beigebracht. Wie ich meine Zeit auch dort verbringen mag, ein Erlebnis ist es allemal!

Die letzte Woche ist nun angebrochen. Ein Schüler, nein, ein Freund, zählt schon die Tage, die uns noch gemeinsam bleiben. Ich werde die restliche Zeit noch bei den Jungs verbringen, aber wohl doch auch mal den Strand besuchen.

Es ist eine wundervolle Reise! Jede einzelne Erfahrung und Begegnung ist eine Bereicherung für mich und diese möchte ich nicht missen. An dieser Stelle mal ein HOCH auf die Kreuzberger Kinderstiftung, welche mir den Weg zu diesen tollen Jungs geleitet hat!

Viele Grüße aus dem warmen Griechenland!
Vera“

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